Wenn der Männerchor Hagen griechischen Wein einschenkt…
Erinnerungen an Udo Jürgens beim Konzert „Seine Schlager, seine Lieder“ in der Ehemaligen Kirche
Udo Jürgens war einer der ganz Großen der Unterhaltungsmusik – ein Weltstar, der mehr als 1000 Lieder komponiert hat. Auch mehr als 10 Jahre nach seinem Tod ist seine Musik, in der sich zeitlose Themen auf eine einzigartige Weise widerspiegeln unvergessen. Grund genug für den Männerchor Hagen, mit einem Revival-Konzert an einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Unterhaltungsmusiker zu erinnern. Vorsitzender Ralf Westerbusch konnte dazu in seiner Begrüßung mit Blick auf die schon seit Wochen ausverkaufte und bis zum letzten Platz besetzte Ehemalige Kirche erfreut feststellen; “So etwas hatten wir noch nie.“

Wie kam es denn überhaupt dazu? „Die Idee ist über den persönlichen Kontakt mit Sierd Quarre, dem Chordirektor am Osnabrücker Theater entstanden“, erzählt Holger Dolkemeyer, der den Männerchor Hagen seit 2013 leitet. „Sierd kann singen, Klavier spielen und ist ein großer Udo- Jürgens-Fan“. Beste Voraussetzungen also, um gemeinsam mit den rund 40 aktiven Hagener Sängern ein Programm zusammenzustellen, mit dessen Vorbereitung bereits im Februar begonnen wurde und die zahlreiche Übungsabende in Anspruch nahm. Daraus entstand schließlich unter dem Motto, „Seine Schlager, seine Lieder“ eine mit großer Intensität und spürbarer Freude vorgetragene gelungene Mischung aus Klassikern und weniger bekannten Stücken der österreichischen Schlagerikone.
„Die Welt braucht Lieder“, war für Sierd Quarre gleich zum Auftakt ein Song, der Musik als Ausdruck von Freude, Liebe und Hoffnung betont. „Mit 66 Jahren“ zeigte der Chor anschließend, dass im Renteneintrittsalter das Leben weitergeht und noch lange nicht Schluss ist. Die Melodie ging ins Ohr, der Text ist augenzwinkernd fröhlich und so sollte es auch sein, denn mit 66 geht noch was! Das folgende „Ihr von Morgen“ oder die „Hymne an die Zukunft“ – so der Untertitel – beeindruckt neben der Musik besonders durch den Text. „Wer wird in 1000 Jahren uns´re Ängste noch verstehen? Ihr von Morgen werdet staunend rückwärts sehen“.
Lieder über Liebe, Politik und mit Humor
„Sänger in Ketten“, ein Lied über die Kunst und Meinungsfreiheit ist für Sierd Quarre wohl nicht zufällig 1989, im Jahr der „friedlichen Revolution“, geschrieben worden, wendet es sich doch mit deutlichen Worten gegen Repression, Verbote und Gesinnungsdiktatur.
Ein Lied aus der frühen Schaffenszeit von Udo Jürgens, das zu einem seiner größten Hits wurde, ist „Anuschka“. Die vermeintliche Liebesbeziehung zu einem leider schon so gut wie verheirateten russischen Mädchen endet mit der klaren Ansage, „Liebe heute nix gut!“ und sorgte für heitere Stimmung. In deutlichem Kontrast dazu stand anschließend „Ich glaube“, ein Werk aus den 1960er Jahren, das mit viel Pathos die Suche nach Menschlichkeit, und die Bedeutung des Glaubens im Alltag betont.


„Alles was gut tut“ zeigte dann für Sierd Quarre, „dass man Udo Jürgens nicht immer ernst nehmen muss“. Ein eher lustiges Stück mit der zentralen Botschaft, das Leben im Hier und Jetzt zu genießen, „tu alles, was gut tut“!
Erinnerungen an das Jahr 1971 wurden bei dem Lied, „Zeig mir den Platz an der Sonne“ wach, als dieses Stück eigens für die ARD Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ komponiert wurde. Im Rahmen der Aktion fand damals eine Verlosung mit einem Haus als Hauptgewinn statt – passend zum Songthema, das von der Suche nach einem idealen Platz im Leben handelt.
Eine Atmosphäre der Gemütlichkeit und der guten Laune kam durch „Schenk mir noch eine Stunde“ auf, ein Lied, das pure Lebensfreude ausstrahlt. Schenk uns noch eine Stunde: Zum Philosophieren, ein Glas mit Freunden trinken, zum Tanzen, das Leben spüren, …wenn wir dann glücklich sind, war die Stunde das Leben wert!
Ruf nach Zugaben
„Man merkt, dass Udo Jürgens Österreicher ist“, kündigte Sierd Quarre schließlich das einzige ihm bekannte Stück des Komponisten in Dreivierteltakt an. „Und da hab ich ihr das Leben gerettet“ zeigt auf schwungvoll lustige Weise, wie schön es ist, ein guter Mensch zu sein, frei nach dem Motto: ich helfe gern, wo immer ich kann …
„Heute beginnt der Reste Deines Lebens“ vermittelte am Ende die gemeinsame Botschaft der Hoffnung und des Neuanfangs, wonach der Augenblick, der entscheidende Punkt ist, um die Zukunft zu gestalten. Bloß nichts auf die Lange Bank schieben!
Mit einem Medley der bekanntesten Hits von Udo Jürgens näherte sich das Konzert seinem Höhepunkt. Von „Merci Cheri“ über „Das ehrenwerte Haus“ bis zu „Aber bitte mit Sahne“ war alles mit dabei und spätestens beim Tophit „Ich war noch niemals in New York“ sangen selbst diejenigen, die vorher vielleicht nur leise mitgesummt hatten, lautstark mit. Der Ruf nach Zugaben war die logische Folge, wobei zunächst von allen griechischer Wein ausgeschenkt wurde, ehe Sierd Quarre mit dem nachdenklich-melancholischen „Was wichtig ist“ über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens den Schlusspunkt setzte.

Das Publikum dankte es den Künstlern mit „Standing Ovation“ ,der Applaus steigerte sich noch, als Ralf Westerbusch eine Neuauflage des Konzerts „für alle denen es gar nicht so schlecht gefallen hat“, ankündigte. Sogar der Termin steht schon fest: Am 12. April 2026 heißt es wieder: „“Die Welt braucht Lieder“!
Der Männerchor Hagen trifft sich immer donnerstags um 20 Uhr in der Kirschwilla, um zwei Stunden lang gemeinsam zu singen und einen geselligen Abend zu verbringen. Neueinsteiger sind herzlich willkommen. Als nächstes wird das traditionelle Weihnachtskonzert am 14. Dezember um 17 Uhr in der Ehemaligen Kirche vorbereitet.
Nähere Infos auf www,maenerchor-hagen-atw.de
Text: Manfred Motzek, Hagener Marktbote
Bilder: Renate Morgret, Männerchor Hagen a.T.W.
